Bernard “Bernd” Becher (August 20, 1931 – June 22, 2007)

Bernd Becher would be 80 years old today. As an homage to this great artist, I am publishing a part of the original interview in German (available in its English translation as Bernd and Hilla Becher speak with Moritz Neumüller, La Fabrica / Fundación Telefónica, Madrid, 2005), held on April 11 2005 in their home in Düsseldorf.


Bernd Becher wäre heute 80 Jahre alt geworden. Als Würdigung an diese grosse Persönlichkeit gebe ich hier einige Ausschnitte aus einem Gespräch wieder, das ich vor einigen Jahren mit Bernd und Hilla Becher geführt habe. Es zeigt die menschliche Seite des Künstlerpaares und ist – ich sage es nicht ohne Stolz – eines der wenigen Interviews, bei dem Bernd Becher tatsächlich auf die Fragen antwortet… und zwar mehr als “Ja”, “Nein” oder “Naja” …


Moritz Neumüller: Wie funktioniert eigentlich Ihre Zusammenarbeit als Künstlerehepaar? Das stelle ich mir nicht immer leicht vor. Sie haben einmal gesagt, jeder macht alles bei Ihnen alles, da gibt es nicht jemanden, der für einen bestimmten Schritt verantwortlich ist. Sie haben sogar zwei Kameras. Aber gibt es nicht Sachen, die der eine lieber macht, etwa die Arbeit in der Dunkelkammer?

Hilla Becher: Naja, ich hab schon immer etwas mehr in der Dunkelkammer gearbeitet. Bernd ist ja auch oft alleine ins Ruhrgebiet gefahren. Bei größeren Reisen haben wir das zusammen gemacht, weil das alleine ja auch sehr langweilig ist. Im Großen und Ganzen haben wir eine ähnliche Einstellung und da wir eben auch diese Kriterien haben oder, wenn Sie so wollen, diese Grammatik, gibt es ein gemeinsames Grundverhalten, was auch erlaubt, nicht ganz empört zu sein, von dem was der andere macht oder machen will. Und manchmal, wenn wir uns gar nicht einig sind, dann wird eben beides gemacht. Wie siehst Du das?

Bernd Becher: Also, als wir die Anlagen fotografiert haben, zum Beispiel in Belgien oder in England haben wir uns das vorher angesehen und haben dann an dem Tag, wo die Lichtverhältnisse ideal waren, beide losgelegt, beide fotografiert. Später haben wir Polaroids gemacht, bis in die 80er Jahre hatten wir eine Polaroid-Kamera… Wir haben also die Standpunkte festgelegt anhand von Polaroidfotos. Und dann war es eben so, wenn die Lichtbedingungen ideal waren, war es ja günstig, wenn wir beide fotografierten. …

MN: Und am Schluss kamen dann die schwierigeren Aufnahmen, nicht?

BB: Ja, die komplizierten Aufnahmen machten wir dann gemeinsam. Vieles hängt ja mit Klettern zusammen oder mit Gerüstbau, so dass ich Hilfe brauchte. Ich kann ja nicht, wenn ich oben auf der Leiter stehe, jedes Mal runterlaufen.

HB: Deshalb haben wir die Sachen mit einem Seil hochgezogen, einer ist unten, einer ist oben. Oder bei vielen Aufnahmen schleppt man erst mal das ganze Zeug für eine Kamera irgendwelche Leitern hoch, oder irgendwelche Gerüste, ein schwieriger Aufstieg ist oft! Oder meinetwegen ein Hochhaus, wie in Amerika, mit 13 Stockwerken: Da schleppt man nur eine Kamera hoch, das lohnt sich nicht, beide Kameras hinauf zu bringen … (lacht) alleine der Prozess ist schon schlimm genug!

MN: Es gibt also keine Rollenverteilung?

HB: Sagen wir mal so, er ist der Chef und ich akzeptiere das. Und wenn ich mich durchsetzen will, finde ich irgendwelche Tricks und Wege, es vielleicht doch noch zu schaffen.

MN: Das klingt ja wie ein ganz klassisches Ehe-Rollenmodell, das in den Arbeitsprozess transzendiert…

HB: Siehst du das auch so, Bernd?

BB: (Schweigen)

HB: Also, wenn ich’s ironisch ausdrücken würde, ich lass ihn den Chef spielen.

(lachen)


Düsseldorf, am 11. April 2005. Publiziert auf Spanisch und Englisch in: Conversaciones con fotógrafos. Bernd y Hilla Becher hablan con Moritz Neumüller/Bernd and Hilla Becher speak with Moritz Neumüller, Madrid, 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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